Liebe Leserinnen und Leser,
wer die aktuellen Entwicklungen rund um KI und Digitalisierung verfolgt, stößt derzeit auf einen bemerkenswerten Widerspruch: Die Technologien werden immer leistungsfähiger, autonomer und allgegenwärtiger. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Kontrolle, Transparenz und digitaler Souveränität.
KI-Agenten sollen künftig Aufgaben eigenständig organisieren, Chatbots spielen personalisierte Werbung aus, und immer mehr Organisationen hinterfragen zunehmend ihre Abhängigkeit von großen Technologiekonzernen. Die technologischen Möglichkeiten wachsen rasant. Doch verstehen wir überhaupt, wie digitale Systeme zu ihren Entscheidungen kommen?
Passend dazu werfen wir einen Blick auf Microsofts neuen KI-Agenten Scout, die ersten Werbeanzeigen in ChatGPT, Bayerns Weg zu mehr digitaler Souveränität, den Munich AI Day 2026 und den Clever-Hans-Effekt – eine überraschend aktuelle Lektion aus der Frühgeschichte der Psychologie.
Alle Themen im Überblick:
- Bayern setzt auf digitale Souveränität und Open Source
- Microsoft Scout: Vom Assistenten zum Autopiloten
- ChatGPT wird zur Werbeplattform
- Munich AI Day 2026: Europa kann KI. Warum bauen andere die Plattformen?
- Brain Snippet: Der Clever-Hans-Effekt
Viel Spaß beim Lesen!
Die KMU-Firmenbrief-Redaktion
Newsroom
Bayern will Open-Source-Alternativen entwickeln
Vor wenigen Wochen kündigte Bayerns Digitalministerium einen „souveränen Arbeitsplatz“ an. Das klang zunächst nach einem überschaubaren Pilotprojekt.
Mittlerweile wird klar: Dahinter steckt deutlich mehr.
Eine geplante Milliardeninvestition in Microsoft-Produkte ist vom Tisch. Stattdessen testet die Staatsregierung Open-Source-Alternativen und diskutiert plötzlich Themen, die lange als unbequem galten: digitale Abhängigkeiten, steigende Lizenzkosten und technologische Souveränität.
Wie es zu diesem bemerkenswerten Kurswechsel kam, warum selbst die bayerische Staatsregierung die These der Alternativlosigkeit nicht mehr aufrechterhält und welche Rolle ein offener Brief aus der IT-Branche dabei spielte, lesen Sie in unserem aktuellen Beitrag.
Newsroom
Microsoft Scout: Autopilot für den Arbeitsalltag
Von Assistent zu Autopilot: Microsoft Scout soll Arbeit nicht mehr nur unterstützen, sondern zunehmend selbst organisieren.
Kurz nach der Vorstellung auf der Microsoft Launch-Konferenz sorgte jedoch ein internes Dokument für Aufsehen. Darin wurde die erste Projektphase mit den Worten „Make people addicted“ beschrieben. Microsoft distanzierte sich später deutlich von dieser Formulierung.
Wie viel Autonomie Unternehmen ihren KI-Agenten tatsächlich geben sollten, welche Risiken dabei oft übersehen werden und warum Scout weit mehr ist als nur der nächste Copilot, erfahren Sie in unserem Beitrag.
Newsroom
OpenAI macht ChatGPT zur Werbeplattform
Wir haben gelernt, Werbung in Suchmaschinen zu ignorieren. Doch was passiert, wenn Werbung plötzlich Teil eines Gesprächs wird?
OpenAI hat in den USA begonnen, Anzeigen direkt in ChatGPT auszuspielen. Während das Unternehmen versichert, dass Werbung die Antworten nicht beeinflusst, berichten erste Nutzer bereits von störenden und teils unpassenden Werbeeinblendungen.
Wirtschaftlich ist dieser Schritt nachvollziehbar. Für die Nutzererfahrung wirft er jedoch eine weitreichendere Frage auf: Wie verändert sich das Vertrauen in einen KI-Assistenten, wenn dieser gleichzeitig auch Werbeplattform ist?
Unser Beitrag beleuchtet, warum dieser Strategiewechsel weit mehr bedeutet als ein neues Geschäftsmodell.
Wussten Sie schon
OpenAI macht ChatGPT zur Werbeplattform
Wir haben gelernt, Werbung in Suchmaschinen zu ignorieren. Doch was passiert, wenn Werbung plötzlich Teil eines Gesprächs wird?
OpenAI hat in den USA begonnen, Anzeigen direkt in ChatGPT auszuspielen. Während das Unternehmen versichert, dass Werbung die Antworten nicht beeinflusst, berichten erste Nutzer bereits von störenden und teils unpassenden Werbeeinblendungen.
Wirtschaftlich ist dieser Schritt nachvollziehbar. Für die Nutzererfahrung wirft er jedoch eine weitreichendere Frage auf: Wie verändert sich das Vertrauen in einen KI-Assistenten, wenn dieser gleichzeitig auch Werbeplattform ist?
Unser Beitrag beleuchtet, warum dieser Strategiewechsel weit mehr bedeutet als ein neues Geschäftsmodell.
Event Recap – Munich AI Days 2026
Europa kann KI. Warum bauen andere die Plattformen?
Wer an KI denkt, denkt oft zuerst an ChatGPT, Microsoft 365 Copilot, Gemini oder Claude – also an die Modelle und Plattformen, die aktuell die Schlagzeilen bestimmen. Wer den Munich AI Day besucht hat, nimmt jedoch vor allem eines mit: Deutschland und Europa müssen sich in der KI-Forschung nicht verstecken.
Von KI in der Medizin über Explainable AI bis hin zur satellitengestützten Klimaforschung zeigte die Veranstaltung, wie viel Innovation an Universitäten und Forschungsinstituten entsteht. Viele der vorgestellten Forschungsprojekte sind dabei längst näher an der Praxis, als man vermuten würde.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Europa KI kann, sondern warum so viele der daraus entstehenden Produkte und Plattformen woanders entwickelt werden.
Unsere Eindrücke vom Munich AI Day – und warum zwischen Forschungserfolg und Marktreife in Europa oft noch eine erstaunlich große Lücke klafft.
Brain Snippet des Monats
Der Clever-Hans-Effekt
Im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts sorgte ein Pferd namens Hans für Aufsehen. Es schien rechnen und buchstabieren zu können – selbst eine Expertenkommission der Berliner Universität fand keine Erklärung. Der Psychologiestudent Oskar Pfungst kam dem Geheimnis schließlich auf die Spur: Hans rechnete gar nicht. Er beobachtete. Das Pferd hatte gelernt, so lange mit dem Huf zu klopfen, bis eine minimale Veränderung in der Mimik seines Gegenübers ihm signalisierte aufzuhören. Eine um wenige Millimeter angehobene Augenbraue genügte.
In der KI-Forschung beschreibt der Clever-Hans-Effekt ein ähnliches Problem. Modelle liefern scheinbar beeindruckende Ergebnisse, lernen dabei aber manchmal die falschen Zusammenhänge. Statt das eigentliche Problem zu verstehen, nutzen sie zufällige Muster oder versteckte Hinweise in den Trainingsdaten. Forscher des Berliner BIFOLD-Instituts arbeiten deshalb an Methoden der Explainable AI (XAI), die sichtbar machen sollen, worauf ein Modell seine Entscheidungen tatsächlich stützt.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Gute Ergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass ein KI-Modell wirklich verstanden hat, was es tut.