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Zimbra Daffodil: Groupware im Zeichen der Narzisse

Warum die Zimbra-Entwickler von Synacor ihr Release 10 mit dem Codewort „Daffodil“ (Narzisse) bezeichnen, ist leider nicht überliefert. Vielleicht soll die Blumen-Analogie für die Schönheit der neuen Benutzeroberfläche stehen? Schwer vorstellbar, denn das „modern UI“ hat Zimbra bereits mit Version 9 eingeführt und in Version 10 kaum verändert. Die Neuerungen verbergen sich hinter den Kulissen und sind durchaus vertrackt.

Um die Tragweite der Änderungen zu sehen, ist ein kurzer historischer Ausflug nötig. Die großen Umwälzungen begannen nach Version 8.8.15. Diese hatte Synacor mit LTS geadelt (Long Term Support), unterstützt bis Ende 2023. Damals gab es noch eine OSE (Open Source Edition) und eine NE (Network Edition), beide mit Support von Synacor. Wer für die OSE beispielsweise eine Handy-Anbindung per Active Sync wollte, konnte zusätzlich die Zextras-Suite erwerben, auch bekannt als Zimbra Suite Plus. Deren Module waren closed source und stammten von der italienischen Zextras Group. In der Network Edition von Zimbra selbst waren diese Module bereits enthalten, allerdings unter dem Namen „NG Modules“. Sie lieferten wichtige Erweiterungen wie besagten Active Sync, aber auch Live-Backup, Delegated Admin und einige mehr.

Must-have für viele Anwender: Outlook

Die sehr häufig nachgefragte Outlook-Anbindung per MAPI (Mail Application Programming Interface) war seit jeher der NE vorbehalten: Der OLC (Outlook Connector) darf nur mit der Zimbra Network Edition betrieben werden. Daher hatten viele Kunden der IT Works AG von Anfang an eine NE-Variante im Betrieb. Die IT Works selbst verwendete die OSE mit Zextras-Modul für Active Sync. Übrigens war genau die Kombination aus „Es gibt eine Open-Source-Version“ und „Es gibt eine sehr gute Outlook-Integration“ das Hauptargument, als sich die IT Works AG und ihr Entwicklungspartner CoreBiz Engineering GmbH für Zimbra als Basis der CoreBiz Groupware entschieden.

Leider hat Synacor nach Zimbra 8.8.15 an der Lizenz-Schraube gedreht. Bereits mit Version 9 gab es keine offiziell unterstützte OSE mehr. Man kann das Produkt zwar selbst aus den Quellen übersetzen – allerdings muss man dann auf das mit Version 9 neu eingeführte „modern UI“ verzichten. Die moderne Oberfläche basiert auf dem Javascript-Framework preact und wird nur als proprietärer Code angeboten. Das wirkt sich auch auf die Schnittstelle für Erweiterungen (zimlets) aus: Die kann man wahlweise für die – weiterhin vorhandene – klassische Oberfläche schreiben oder für die moderne Variante, aber nicht für beide gleichzeitig.

Modern und Handy-tauglich

Der wichtigste Vorteil des Modern UI in der Praxis ist sein Responsive-Design: Man kann es auch auf dem Handy vernünftig bedienen. Native Smartphone-Apps sind vielleicht bequemer, aber der Zugang dazu will erst eingerichtet sein.

Da auch der Support-Zeitraum für Zimbra 9 ursprünglich identisch mit dem von Zimbra 8.8.15 war, hatte sich die IT Works AG dafür entschieden, vorerst bei Version 8.8.15 zu bleiben. Die stille Hoffnung war, dass es mit einer nachfolgenden Version wieder eine Open-Source-Variante gibt; schließlich rühmt sich Synacor mit der „Open-Core-Software“, sieht also selbst sehr wohl die gravierenden Vorteile einer freien Software.

Keine Next Generation mehr

Mit Zimbra 10 kam eine weitere überraschende Wendung: Synacor verabschiedete sich von den NG-Modulen, hat also sämtliche Zextras-Module entfernt und deren Funktionalität direkt in den Core integriert. Für das Admin-Interface (das noch auf demselben Framework basiert wie bei Zimbra 8.8.15) ist das durchaus ein Segen: Waren die NG-Module noch sehr klar als Erweiterungen mit eigener UI-Philosophie erkennbar, sind die Ersatzlösungen für Active Sync, Backup, HSM und Delegated Admin nun nahtlos integrierte Bestandteile der Admin-Oberfläche. Auch die Konsolen-Tools „zxsuite xxx“ gehören der Vergangenheit an.

Die Entwicklung hatte für diesen Komplett-Ersatz der NG-Module offenbar länger benötigt als gedacht. Synacor hat dann im September 2023 den Support für Version 9 um ein Jahr verlängert, bis Ende 2024. Im Oktober 2023 folgte dann eine erste Version von Migrations-Tools, um die Daten und Einstellungen der NG-Module von Version 8.8.15 oder 9 zu exportieren und in Version 10 wieder zu importieren. Immerhin gibt es damit einen direkten Upgrade-Pfad von 8.8.15 auf Version 10 (Daffodil).

Für die meisten Kunden ist das Upgrade auf Version 10 nun sehr unproblematisch: Wer will, verwendet im Browser weiterhin die klassische Oberfläche. Wer per Outlook oder Handy seine Mails und Termine verwaltet, muss sowieso keine Änderungen fürchten. Und wer bisher auf die OSE gesetzt hatte, darf sich neben der modernen Oberfläche auf ein weiteres Feature-Bonbon freuen: Zimbra liefert Onlyoffice-Editoren mit, mit denen man Office-Dokumente direkt im Browser bearbeiten kann, und das sogar gemeinsam im Team.

Aufholen, bitte

Was immer noch fehlt, ist eine Version für Ubuntu 22.04 (LTS) und damit für CoreBiz 8.0 R2. Die ist aktuell für 2024 angekündigt. Vielleicht ist es ja um Ostern herum so weit? Damit wäre die Blumen-Analogie „Daffodil“ zumindest im deutschen Sprachraum etwas verständlicher: Narzissen heißen auch Osterglocken.

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