Linux statt Windows, Nextcloud oder LibreOffice statt Microsoft 365 – schon gilt ein Unternehmen als digital souverän. Doch diese Gleichsetzung greift zu kurz. Open Source ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur digitalen Souveränität, aber erst Governance, Datenhoheit und die richtige Partnerstrategie entscheiden darüber, ob aus technischer Offenheit tatsächlich unternehmerische Handlungsfähigkeit wird.
Warum das so ist und worauf es dabei ankommt, zeigt ein Blick darauf, was digitale Souveränität eigentlich bedeutet.
Was macht digitale Souveränität eigentlich aus?
Das Zentrum für Digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) beschreibt digitale Souveränität nicht als Eigenschaft, sondern als Fähigkeit: IT-Infrastruktur, Daten und Prozesse selbstbestimmt zu steuern, ohne unkontrollierbare Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern. (zendis.de)
Daraus leitet ZenDiS unter anderem zwei zentrale Kriterien ab: Wechselmöglichkeit, also die Fähigkeit, Anbieter und Komponenten flexibel auszutauschen, und Gestaltungsfähigkeit, also die Möglichkeit, Infrastruktur und Dienste aktiv weiterzuentwickeln. Wer beides nicht sicherstellen kann, ist dem Ziel digitaler Souveränität noch nicht vollständig nähergekommen. (zendis.de)
Welche Rolle spielt Open Source dabei?
Die Gleichsetzung von Open Source und digitaler Souveränität hat dennoch einen wahren Kern. Offener Quellcode und offene Standards schaffen die technischen Voraussetzungen für mehr Unabhängigkeit. Unternehmen können Systeme leichter integrieren, Anbieter wechseln und Sicherheitslücken bei Bedarf selbst oder mit einem anderen Dienstleister beheben.
Genau darin liegt der Beitrag von Open Source: Es schafft diese Wechselmöglichkeit und Gestaltungsfähigkeit – zwei zentrale Kriterien digitaler Souveränität. Ob Unternehmen diese Möglichkeiten tatsächlich nutzen, entscheidet sich jedoch erst in der praktischen Umsetzung.
Warum entscheidet die Partnerwahl mit?
Die eigentliche Souveränitätsfrage entscheidet sich deshalb nicht an der Lizenz, sondern an der Ausgestaltung der Partnerschaft.
Oliver Grün, Präsident des Bundesverbands IT-Mittelstand (BITMi), bringt diesen Gedanken in einem heise-Interview auf den Punkt: Abhängigkeit entsteht auch bei Open Source, sobald Betrieb oder Wartung vollständig an einen externen Dienstleister übergehen wird. Der Unterschied zu proprietärer Software sei deshalb oft kleiner, als angenommen. (heise online)
Entscheidend ist also nicht, ob Software offen oder proprietär ist, sondern wie Zusammenarbeit organisiert wird. Gibt es eine realistische Exit-Strategie? Sind Architektur und Betriebslogik dokumentiert oder nur beim Dienstleister bekannt? Kann das Unternehmen Einfluss auf die Weiterentwicklung nehmen? Erst diese Fragen entscheiden darüber, wie unabhängig eine Organisation tatsächlich bleibt.
Warum gehört Datenhoheit zur Souveränität?
Digitale Souveränität endet jedoch nicht bei der Software. Ebenso wichtig ist die Frage, wer die Kontrolle über die eigenen Daten hält.
Auch die OSBA (Open Source Business Alliance), der Branchenverband der deutschen Open-Source-Industrie, weist darauf hin, dass sich Souveränität nicht allein am Quellcode entscheidet. Erst Maßnahmen wie eigene Verschlüsselung, eigenes Schlüsselmanagement und klare Zugriffskonzepte sorgen für tatsächliche Datenhoheit, unabhängig davon, wo eine Anwendung läuft. (osb-alliance.de)
Für den Mittelstand bedeutet das: Wer digitale Souveränität erreichen möchte, sollte bei jeder IT-Entscheidung drei Fragen stellen:
- Kann ich den Anbieter wechseln?
- Habe ich Einfluss auf Betrieb und Weiterentwicklung?
- Wer kontrolliert bzw. hat Zugriff auf meine Daten?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus offener Software auch echte digitale Souveränität.
Wie wird aus Open Source echte digitale Souveränität?
Digitale Souveränität entsteht nicht durch eine Lizenz, sondern durch Entscheidungen. Open Source schafft die technischen Voraussetzungen für mehr Unabhängigkeit. Ob daraus echte Souveränität wird, entscheidet sich jedoch erst in der Praxis: bei der Wahl des Partners, der Kontrolle über die eigenen Daten und der Möglichkeit, Systeme jederzeit selbstbestimmt weiterzuentwickeln oder zu wechseln.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Open Source – ja oder nein? Sondern: Wie handlungsfähig soll mein Unternehmen sein?
Wie wir Unternehmen auf dem Weg zur digitalen Souveränität begleiten
Digitale Souveränität entsteht durch eine IT-Strategie, die Wechselmöglichkeiten, Datenhoheit und langfristige Handlungsfähigkeit berücksichtigt. Genau darauf legen wir in unseren Projekten Wert – unabhängig davon, ob die passende Lösung auf Open Source-Strategie oder einem hybriden Lösungsansatz basiert.
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