Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie baut das Netzwerk der Mittelstand-Digital Zentren neu auf. Unternehmen erhalten weiterhin kostenfreie, anbieterneutrale Unterstützung bei Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit.
Kleine und mittlere Unternehmen können sich auch ab 2027 kostenlos bei Digitalisierungsfragen unterstützen lassen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) richtet dafür das Netzwerk der Mittelstand-Digital Zentren neu aus. Das Angebot richtet sich insbesondere an Kleinst- und Kleinunternehmen, Handwerksbetriebe und Start-ups. Es umfasst Orientierung, Schulungen und die individuelle Begleitung durch Fachleute. Die Unterstützung ist anbieterneutral und soll Unternehmen helfen, digitale Technologien bedarfsgerecht einzusetzen.
Das bisherige Netzwerk läuft Ende 2026 aus. Die ersten fünf regionalen Zentren nehmen ihre Arbeit im Januar 2027 auf, ein sechstes soll voraussichtlich im März folgen. Bis Mitte 2027 sollen außerdem elf spezialisierte Zentren zu bestimmten Branchen und Themen hinzukommen. Zwischen Juni 2021 und Dezember 2025 erreichte das bisherige Netzwerk mit bis zu 29 Zentren rund 360.000 Unternehmen, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mitteilt.
Regionale Anlaufstellen, Branchenwissen und konkrete Unterstützung
Die sechs regionalen Zentren decken jeweils zwei bis drei Bundesländer ab. In jedem Land soll es mindestens eine feste Anlaufstelle geben. Mobile und temporäre Angebote sollen auch Unternehmen im ländlichen Raum erreichen.
Die elf geplanten Themen- und Branchenzentren sollen voraussichtlich ab Mai 2027 hinzukommen. Ihre Schwerpunkte umfassen unter anderem Handwerk, Bau, Logistik und Handel sowie Automatisierung, Robotik, Produktion und digitale Wertschöpfungsketten. Sie sollen Unternehmen auch dabei unterstützen, rechtliche Anforderungen umzusetzen.
Neben Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz rückt Cybersicherheit stärker in den Fokus. CYBERsicher-Trainerinnen und -Trainer sollen Unternehmen dabei helfen, ihre IT-Systeme und digitalen Prozesse besser gegen Cyberangriffe zu schützen. Ergänzend dazu sind weiterhin KI-Trainerinnen und -Trainer vorgesehen. Eine weitere Aufgabe des Netzwerks ist die Orientierung im Förderdschungel: Unternehmen sollen leichter passende Förder- und Unterstützungsangebote von Bund, Ländern und der Europäischen Kommission finden.
Eine Übersicht der geplanten regionalen Zentren und ihrer Anlaufstellen veröffentlicht Mittelstand-Digital in einem laufend aktualisierten Blogbeitrag. Weitere Informationen enthält die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Open Source und digitale Souveränität in der Praxis
Wie anbieterneutrale Digitalisierung in der Praxis aussehen kann, zeigen Projekte aus dem bisherigen Netzwerk. Unternehmen konnten dort Open-Source-Lösungen kennenlernen, ihre Eignung für betriebliche Anforderungen prüfen und neue Ansätze für konkrete Herausforderungen entwickeln. Die Beispiele reichen von Unternehmenssoftware über die Auftragsabwicklung bis hin zu KI und Energiemanagement.
ERPNext: Ein Open-Source-ERP für mehr digitale Souveränität
Die UP Umweltanalytische Produkte GmbH wollte ihre IT-Landschaft zukunftsfähig weiterentwickeln und bestehende Anwendungen besser miteinander verbinden. Das Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland untersuchte dafür geeignete Open-Source-ERP-Systeme. Die Wahl fiel auf ERPNext: Ausschlaggebend waren unter anderem der offene Quellcode, der Betrieb unter Linux, die modulare Architektur und die Integrationsmöglichkeiten. Ein Prototyp in einer Linux-basierten Testumgebung half dabei, Funktionen, Anpassungsbedarf und Implementierungsaufwand zu bewerten. Das Projekt schuf damit eine fundierte Grundlage für die weiteren Entscheidungen des Unternehmens. Zum Praxisprojekt beim Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland
Auch die IT Works nutzt mit CoreBiz Works eine ERP-Lösung auf Basis von ERPNext.
Kanboard: Mehr Transparenz in der Auftragsabwicklung
Beim Fenster- und Türenbauer HOLZ-HESS sollte die Abstimmung zwischen Arbeitsvorbereitung und Produktion verbessert werden. Gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz wurde dafür die Open-Source-Software Kanboard prototypisch eingesetzt, um Aufträge und ihre Bearbeitungsstände übersichtlich darzustellen. Die geplante Installation auf den eigenen Servern sollte eine transparente Auftragsabwicklung ermöglichen und die Kommunikation zwischen den beteiligten Bereichen erleichtern. Das Beispiel zeigt, wie sich Open-Source-Software für konkrete betriebliche Abläufe erproben und an individuelle Anforderungen anpassen lässt. Zum Praxisprojekt beim Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz
KI-gestützte Lieferzeitprognosen mit Open Source
Das Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL begleitete das Logistikunternehmen ecs GmbH bei der Implementierung eines KI-gestützten ETA-Service, der Lieferankunftszeiten prognostiziert. Dafür kam eine Open-Source-Infrastruktur aus dem Forschungsprojekt Silicon Economy des Fraunhofer IML zum Einsatz. Die Lösung verarbeitet unter anderem Wetter-, Verkehrs- und Kalenderdaten sowie Echtzeitdaten von mehr als 5.500 Messstellen im Autobahnnetz, um Ankunftszeiten präziser vorherzusagen. Das Projekt zeigt, wie offene Softwareinfrastruktur als Grundlage für datenbasierte Anwendungen im Mittelstand dienen kann. Zum Transferprojekt mit ecs GmbH · Zum ETA-Service der Silicon Economy
OpenEMS: Nachhaltiges Energiemanagement für den Mittelstand
Wie können kleine und mittlere Unternehmen ihren Energieverbrauch besser verstehen und gezielt optimieren? Mit dem Zukunftsprojekt EILE (Energiewissen und Intelligente Anwendung) entwickelten die Mittelstand-Digital Zentren Augsburg und Chemnitz ein übertragbares Vorgehensmodell für nachhaltiges Energiemanagement. Dazu gehören ein Praxishandbuch, Messkonzepte und Leitfäden zur Einführung eines Energiemanagementsystems. Als technische Grundlage dient unter anderem OpenEMS, ein Open-Source-Energiemanagementsystem, für das im Projekt Anwendungsmöglichkeiten und Integrationshilfen erarbeitet wurden.
Die Ergebnisse werden in die Praxis übertragen: Zum Zeitpunkt des Projektabschlusses Ende 2024 implementierten zwei Unternehmen Energiemanagementsysteme. Auch in der Region München sind im Rahmen des Projekts drei Messsysteme zur Erfassung von Energiedaten installiert. OpenEMS und die zugehörigen Anleitungen zeigen, wie offene Software und übertragbares Wissen Unternehmen dabei unterstützen können, ihren Energieeinsatz systematisch zu verbessern. Zum Projektabschluss EILE beim Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg · Zu EILE bei Mittelstand-Digital
Digitale Souveränität braucht Wahlmöglichkeiten
Die Praxisbeispiele zeigen, wie Open Source Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet: von der Anpassung betrieblicher Software über KI-gestützte Anwendungen bis hin zu einem effizienteren Energiemanagement. Offene Technologien schaffen Spielraum, Lösungen auf eigene Anforderungen zuzuschneiden und die eigene IT aktiv weiterzuentwickeln. Damit können sie einen wichtigen Beitrag zur digitalen Souveränität leisten.
Umso wichtiger ist es, dass das Mittelstand-Digital Netzwerk auch künftig Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt. Die kostenfreien, anbieterneutralen Angebote helfen gerade kleinen und mittleren Unternehmen dabei, Technologien kennenzulernen, Möglichkeiten auszuloten und fundierte Entscheidungen für den eigenen Betrieb zu treffen. Es bleibt zu hoffen, dass Open Source und digitale Souveränität auch im neuen Netzwerk ihren Platz behalten und durch konkrete Praxisprojekte weiter gestärkt werden.
Denn digitale Souveränität bedeutet nicht, sich grundsätzlich für oder gegen einen bestimmten Hersteller zu entscheiden. Sie bedeutet, Wahlmöglichkeiten zu haben und selbst beurteilen zu können, welche Technologien zu den eigenen Anforderungen passen.
Auch die IT Works nutzt mit CoreBiz Works eine ERP-Lösung auf Basis von ERPNext.
Stand: 23.10.2026