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Hochverfügbarkeit für den Mittelstand: machbarer als gedacht

Die meisten Gespräche mit neuen Kunden beginnen mit einem konkreten Anlass – ein Server soll ersetzt werden, ein Wartungsvertrag läuft aus, die IT-Landschaft soll unabhängiger werden. Irgendwann in diesem Gespräch stellen wir eine Frage, die unsere Gesprächspartner komischerweise immer überrascht: „Was passiert, wenn der Server ausfällt?“

Die Pause, die dann entsteht, sagt meistens mehr als die eigentliche Antwort. Nicht weil Risiken übersehen wurden, sondern weil gewachsene IT-Strukturen selten hinterfragt werden, solange sie funktionieren.

Ein Server, der alles trägt

IT-Umgebungen im Mittelstand wachsen über Jahre, und was damals gut gepasst hat, bleibt oft länger bestehen als geplant. Das Ergebnis ist häufig eine Umgebung, die im Normalbetrieb zuverlässig läuft, aber einen einzigen kritischen Schwachpunkt hat: alles hängt an einem Server. Fällt der aus, liegt nicht ein System lahm – es steht alles still (Telefonanlage, ERP, Dateiablage, etc.). Und je nach Ursache, etwa ein Festplattendefekt, können dabei auch Daten verloren gehen, die sich nicht mehr zurückholen lassen.

Hyperkonvergente Systeme: Zwei Server, ein Betrieb

In der IT nennt man das einen Single Point of Failure. Beseitigen lässt er sich durch Redundanz: zwei Server, die als Active-Active-Cluster zusammenarbeiten und deren Daten permanent synchronisiert werden. Fällt einer der beiden Server (in der Cluster-Sprache: ein Knoten) aus, übernimmt der andere automatisch. Das ist der technische Kern von Hochverfügbarkeit (High Availability, kurz: HA).

Das Fundament dafür ist Virtualisierung. Statt Anwendungen direkt auf physischer Hardware zu betreiben, laufen sie als virtuelle Maschinen – gekapselt, portierbar und von der darunterliegenden Hardware unabhängig. Bekannte Plattformen dafür sind VMware, KVM und Microsoft Hyper-V. Der entscheidende Vorteil ist, dass die Virtualisierungsschicht bei einem Serverausfall die betroffenen virtuellen Maschinen automatisch auf den zweiten Knoten verschiebt – ohne dass Anwendungen angepasst werden müssen und ohne dass Anwender etwas bemerken. Dasselbe Prinzip ermöglicht auch Live-Migration: virtuelle Maschinen lassen sich im laufenden Betrieb von einem Knoten auf den anderen verschieben, ohne Unterbrechung.

Was viele überrascht – das klingt teurer als es ist. Moderne HA-Cluster-Architekturen setzen heute auf Hyperkonvergenz, bei der Server und Storage nicht mehr als getrennte Systeme betrieben werden, sondern integriert auf derselben Hardware. Das reduziert Komplexität, senkt die Anforderungen ans Netzwerk und macht separate SAN- oder NAS-Systeme überflüssig. Gegenüber klassischen HA-Setups lassen sich die Kosten so um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Das CoreBiz Cluster ist genau nach diesem Prinzip aufgebaut, lässt sich mit handelsüblicher Hardware betreiben und kann einen bestehenden Server zum Cluster aufrüsten, statt alles neu zu beschaffen.

Der oft unterschätzte Vorteil im Alltag: Wartungen, Updates, sogar Hardware-Tausch lassen sich dank Live-Migration ohne Nacht- oder Wochenendarbeit, ohne Neustart der Systeme und ohne Produktionsunterbrechung erledigen.

Was außerhalb des eigenen Serverraums liegt

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang oft zu kurz kommt: Was gehört überhaupt zur eigenen IT? Viele Unternehmen betreiben heute eine Mischung – eigene Server, gehostete Anwendungen, Cloud-Dienste, externe Telefonie. Hochverfügbarkeit der eigenen Infrastruktur schützt vor Ausfällen im eigenen Einflussbereich. Was außerhalb liegt – der Internetanschluss, ein SaaS-Anbieter, ein externer Hoster – folgt anderen Regeln. Wer das Gesamtbild kennt und weiß, welcher Dienst wo läuft und wovon er abhängt, kann Risiken realistisch einschätzen und gezielt absichern. Wer es nicht kennt, merkt die Lücken erst im Ernstfall.

Technik ist nur der Anfang

Aber Technik allein reicht nicht. Ein Cluster, dessen Failover-Verhalten nie unter realen Bedingungen getestet wurde, ist ein Sicherheitsnetz von unbekannter Belastbarkeit. Monitoring, das Probleme meldet bevor sie zu Ausfällen werden, ist nur so gut wie die Reaktion dahinter. Und Backup ist kein Ersatz für Hochverfügbarkeit, da unterschiedliche Probleme gelöst werden. HA hält den Betrieb aufrecht wenn eine Komponente ausfällt. Backup schützt vor Datenverlust. Wer beides gleichsetzt, hat eine Lücke – meistens genau die, die er nicht vermutet.

Nicht alles braucht dasselbe Schutzniveau

Nicht jedes System braucht dasselbe Schutzniveau. Die sinnvollste Frage ist nicht „Wie viel Verfügbarkeit können wir uns leisten?“ , sondern: „Welche Systeme können wir uns nicht leisten, ausfallen zu lassen?“ Die Antwort bestimmt, wo echte Redundanz sinnvoll ist und wo ein solides Backup-Konzept mit klarem Wiederanlaufplan ausreicht.

Hochverfügbarkeit ist längst keine Frage der Unternehmensgröße mehr – und mit der richtigen Architektur auch keine des Budgets. Es lohnt sich, die eigene Infrastruktur einmal nüchtern zu prüfen, ob sie im Ernstfall hält, was man erwartet.

Die Kosten einer einzigen Stunde Stillstand übersteigen oft die Investition in Hochverfügbarkeit.

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