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Microsoft Copilot: Was der Einsatz von Claude für die EU Data Boundary bedeutet

Microsoft Copilot bietet Zugriff auf KI-Modelle von Anthropic. Doch bei deren Einsatz gelten teilweise andere Grenzen für die Datenverarbeitung. Was Unternehmen jetzt prüfen sollten.

Wer Microsoft Copilot einführt, muss sich auch mit der Frage beschäftigen, wo Unternehmensdaten verarbeitet werden. Microsoft bietet europäischen Kunden dafür die EU Data Boundary: Sie soll sicherstellen, dass Kundendaten bei der Nutzung bestimmter Microsoft-Dienste innerhalb der EU und der zugehörigen europäischen Regionen verarbeitet werden.

Wie weit dieser Schutz reicht, wird unterschiedlich bewertet. Dr. Datenschutz nennt die EU Data Boundary einen wichtigen Schritt, der eine Prüfung im Einzelfall nicht ersetzt. Als Restunsicherheiten führt der Beitrag Cybersicherheitsbedrohungen, technischen Support und ausdrücklich genehmigte Datenübertragungen an. Der Sicherheitsforscher Mike Kuketz geht in seinem Kommentar weiter. Er bemängelt fehlende technische Nachweise und unabhängige Kontrollen. Außerdem verweist er darauf, dass US-Behörden nach dem CLOUD Act auch auf Daten von US-Unternehmen zugreifen können, die in Europa gespeichert sind.

Eine wichtige Ausnahme betrifft zudem KI-Modelle des Anbieters Anthropic. Wer diese Modelle in Copilot nutzt, muss damit rechnen, dass die entsprechenden Anfragen außerhalb der EU Data Boundary verarbeitet werden. Für Unternehmen, die Copilot neu einführen oder bereits nutzen, ist das ein wichtiger Punkt, den sie bei der Konfiguration berücksichtigen sollten.

Microsoft weist auf diese Einschränkung sowohl in der Datenschutzdokumentation zu Copilot als auch in der Dokumentation zur Integration von Anthropic-Modellen hin.

Wo kommen Anthropic-Modelle zum Einsatz?

Microsoft integriert Claude in verschiedene Copilot-Anwendungen. Dazu gehören Microsoft Copilot, Researcher, Copilot Studio, die Power Platform und Copilot in Microsoft 365. Welche Funktionen auf Anthropic-Modelle zurückgreifen können, hängt von der jeweiligen Anwendung und ihrer Konfiguration ab.

Der allgemeine Anthropic-Schalter ist in der EU, den EFTA-Staaten und im Vereinigten Königreich standardmäßig deaktiviert. Administratoren können sie im Microsoft 365 Admin Center freigeben und festlegen, welche Nutzer oder Nutzergruppen Zugriff erhalten. Für Copilot Studio und die Power Platform gibt es zusätzliche Einstellungen im Power Platform Admin Center.

Für Copilot in Word, Excel und PowerPoint gibt es seit dem 3. April 2026 eine eigene Einstellung. Laut Microsoft Learn ist sie in Tenants, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden, standardmäßig aktiv. Bei älteren Tenants hängt der Standardwert vom Tenant ab. Ist Anthropic allgemein für Nutzer freigegeben, lässt sich die Einstellung nicht mehr ändern.

Welche Modelle und Funktionen im eigenen Tenant verfügbar sind, lässt sich deshalb nicht allein anhand der eingesetzten Copilot-Lizenz beurteilen. Entscheidend ist auch, welche Anbieter und Funktionen administrativ freigegeben wurden.

Welche Folgen hat die Freigabe für den Datenschutz?

Im Standardfall bindet Microsoft Anthropic laut Microsoft Learn als Unterauftragsverarbeiter in seine Online-Dienste ein. Microsoft bleibt dann Vertragspartner. Es gelten die Microsoft-Produktbedingungen und der Microsoft-Datenschutznachtrag. Die Verarbeitung findet trotzdem außerhalb der EU Data Boundary statt.

Anders ist es bei Modellen, die als „Anthropic models with Data Retention“ gekennzeichnet sind. Hier ist Anthropic der Vertragspartner. Es gelten die Geschäftsbedingungen und der Datenschutznachtrag von Anthropic. Anthropic speichert die meisten Eingaben und Ausgaben bis zu 30 Tage. Bei mutmaßlichen Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien kann die Speicherdauer bis zu zwei Jahre betragen. Diese Modelle müssen gesondert freigegeben werden.

Es reicht deshalb nicht zu wissen, ob Anthropic aktiviert ist. Entscheidend ist auch, welche Modellvariante zum Einsatz kommt. Die Einzelheiten stehen in der Microsoft-Dokumentation zu Anthropic-Modellen.

Welche Funktionen sind betroffen?

Nicht jede Copilot-Funktion setzt Anthropic voraus. Laut der Microsoft-Dokumentation zu Anthropic-Modellen sind aber einige Funktionen nur mit aktivierten Anthropic-Modellen verfügbar. Die Analyse von Directions on Microsoft nennt Copilot Cowork und KI-Funktionen in SharePoint (Stand: Juni 2026). Dort ist Claude als Standardmodell hinterlegt. Ist Anthropic im Tenant nicht freigegeben, funktionieren diese Funktionen nicht. Wer sie nutzen will, muss Anthropic freigeben. Für diese Anfragen gilt die EU Data Boundary dann nicht.

In Word, Excel und PowerPoint kann Claude als Standardmodell verwendet werden. In neueren Tenants ist die Einstellung dafür standardmäßig aktiv.

Was Sie jetzt prüfen und entscheiden sollten

Administratoren prüfen im Microsoft 365 Admin Center unter Copilot, Settings und View all den Eintrag „AI providers operating as Microsoft subprocessors“. Melden Sie sich dafür mit der Rolle AI Administrator an. Dort sehen Sie, ob Anthropic für Nutzer aktiviert ist. Ist das nicht der Fall, finden Sie auf derselben Seite die Einstellung für Word, Excel und PowerPoint. Bei Tenants, die vor dem 25. März 2026 erstellt wurden, finden Sie im Message Center Hinweise zum Standardwert. Für Copilot Studio und Power Platform gibt es eine weitere Freigabe im Power Platform Admin Center. Prüfen Sie außerdem, ob Modelle mit Datenspeicherung freigegeben sind.

Für die Geschäftsführung ist die Freigabe von Anthropic eine Entscheidung über Datenverarbeitung. Klären Sie mit Ihrer IT, welche Daten Mitarbeitende in Copilot eingeben. Prüfen Sie, ob Verträge, Kundenvorgaben oder interne Richtlinien eine Verarbeitung innerhalb der EU Data Boundary verlangen. Entscheiden Sie dann, ob die zusätzlichen Funktionen diese Abweichung wert sind. Wird Anthropic aktiviert, sollte das eine bewusste und dokumentierte Entscheidung sein. Das gilt auch für die Einstellung in Word, Excel und PowerPoint, die in neueren Tenants bereits aktiv sein kann.

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