Die Frage „Cloud oder nicht“ stellt sich jedem IT-Verantwortlichen, und so sind auch wir als IT Works AG täglich damit konfrontiert, speziell im vertrieblichen Beratungsalltag bei mittelständischen Unternehmen.
Vorab: IT Works AG ist eines der wenigen Unternehmen, die sowohl Windows- als auch Linux-IT-Infrastrukturen in großer Tiefe unterstützen und beide Welten miteinander verbinden und integrieren. Unser Ziel ist die Optimierung des Kundennutzens, unabhängig vom Betriebssystem. Auch in der Frage des wie und wo (Cloud, Hosting, on prem) beraten wir unsere Kunden individuell, je nachdem, was für den Kunden am besten ist.
Dies vorausgeschickt beobachten wir, dass durch den in den letzten Jahren generierten Marketing-Hype in Richtung Cloud viele Entscheider wie die Lemminge in die Cloud gehen wollen, auch wenn das für sie nur Nachteile bringt. Cloud ist die Zukunft, On Premises ist Legacy, also veraltet, hören wir oft. Bedauerlicherweise in den meisten Fällen ohne belastbare Argumente. Zur einfacheren Darstellung fokussiert unsere Betrachtung auf das Microsoft-365-Portfolio, weil das in der oben genannten Zielgruppe die größte Relevanz hat.
Warum gibt es diesen Cloud-Hype überhaupt?
Hier lohnt ein Blick auf die Profiteure:
- Microsoft verdient deutlich mehr Geld mit Angeboten in der Cloud im Vergleich zu On-Premise-Produkten. Die Umsätze aus dem Cloud-Geschäft tragen mittlerweile etwa 65% (180 Milliarden Dollar) zum Gesamtumsatz über alle Geschäftsbereiche bei (Hardware, Gaming, Linkedin, on-prem Server etc.) In 2020 waren es noch 35% (50 Milliarden Dollar). Bei diesen Wachstumsraten und der damit einhergehenden Kundenabhängigkeit hat Microsoft natürlich großes Interesse, Kunden in die Cloud zu manövrieren.
- Auch für Systemhäuser ist das Microsoft-Cloudgeschäft durchaus interessant. So lassen sich ohne großen Aufwand wiederkehrende Umsätze generieren. Die Systemhäuser mutieren dabei zum Teil vom Dienstleister zum Händler, wobei die erzielbaren Marge allerdings von Microsofts Gnaden abhängt. Wir stellen jedenfalls fest, dass viele Systemhäuser ihre Kunden stark und alternativlos in die Cloud pushen.
- Viele IT-Manager erhoffen sich, Aufwände loszuwerden, was auch funktioniert, wenn sie beispielsweise den Exchange-Server nicht mehr betreuen müssen. Sie vergessen aber die Zusatzaufwände aufgrund der vielen zusätzlichen Anwendungen (Sharepoint, Teams, Planner etc.), ganz zu schweigen von den zu beachtenden Sicherheitsaspekten durch den hybriden Setup.
- Eine oft viel zu unkritische Fachpresse überschlägt sich in ihren zum Teil von Herstellern unterstützten Artikeln mit Lobeshymnen zur Cloud. Damit entstand bei vielen Entscheidern der Eindruck, Cloud wäre das allein seligmachende, weil der Trend dorthin ginge. Der Trend geht tatsächlich zur Cloud, der Beweggrund ist im Wesentlichen Geld und nicht der Kundennutzen.
Microsoft zwingt Unternehmen in die Cloud
Zunächst sei nochmals die Tatsache erwähnt, dass es nicht möglich ist, bei der Nutzung von MS365-Anwendungen die (europäische) Datenschutz-Grundverordnung DSGVO einzuhalten. Das wird nur aktuell noch nicht geahndet, weil Behörden und die Regierung die Vorgaben selbst nicht einhalten.
Microsoft nutzte die Coronazeit sehr schlau, um Microsoft Teams als Videokonferenz-Lösung zu etablieren, damals noch for free, heute als Bestandteil von M365. Basierend auf diesem trojanischen Pferd fanden in der Folge die ersten Zusatzanwendungen von M365 ihren Weg in die Unternehmen, weil User die angebotene Software einfach ausprobierten.
In 2025 war ein nächster Schritt zu beobachten: bei Exchange 2016 lief die Unterstützung im Oktober aus, gleichzeitig aber auch beim der nächsthöheren Version Exchange Server 2019, nach sechs anstatt den sonst üblichen zehn Jahren. Als Nachfolger bot MS lange Zeit nur Exchange Online an, erst im Juli 2026 kam mit Exchange 2025 SE ein lokal installierbares Produkt heraus – im teuren Abomodell.
Was sind denn nun tatsächlich die Vor- und Nachteile?
Initial wurden die MS Cloud über das Preisargument verkauft: der Betrieb über die Cloud wäre deutlich günstiger als lokal auf eigenen Servern. Das ist in der Realität nicht so und diese Argumentation findet man auch kaum noch.
Wobei: Es gibt tatsächlich einige Szenarien, in denen M365 ein preislich attraktiver Ansatz ist, beispielsweise bei sehr kleinen Unternehmen unter zehn Mitarbeitern. Wenn diese komplett in der Cloud arbeiten können und das selbst managen, kann das die kostengünstigste Variante sein.
Was sind die Vorteile?
- keine Upgrade und Management-Aufwände für Exchange oder andere Anwendungen.
Was handelt man sich ein?
- Dauerhafte und regelmäßige Kosten: So kostet das häufig genommene Microsoft 365 Business Premium mit Copilot 28 € je Person und Monat, das sind aktuell selbst bei kleinen Unternehmen mit 50 Mitarbeitern 1.400 € monatlich nur für die Nutzung der Software. Dabei bleibt es aber nicht: Die Preissteigerungen in letzten 5 Jahren betragen weit über 30%, allein die Preissteigerung am 01.Juli 2026 für Business Basic betrug 16,7%, für Business Standard 12%.
- Absolute Abhängigkeit: Sowohl preislich als auch technisch muss man alles schlucken, was so kommt. Und die Abhängigkeiten weiten sich auf andere Produkte aus, weil Mitarbeiter – meist unabgestimmt – weitere Anwendungen von MS nutzen und diese künftig unterstützt werden müssen. Der Weg aus der Cloud heraus ist zudem aufwendig und von Microsoft und anderen Lieferanten nicht unterstützt. Und, auch zu bedenken: diese Abhängigkeit besteht von einem amerikanischen Lieferanten, der den Vorgaben der amerikanischen Administration folgen muss.
- Mehr Aufwand für IT: Wie im letzten Punkt erwähnt, kommen laufend Anwendungen hinzu, die von der IT unterstützt werden müssen. Auch die entstehenden hybriden Umgebungen aus den lokalen Servern und der Cloud fordern deutlich mehr Aufwand und Aufmerksamkeit, allein schon in Punkto Sicherheit. Die erhofften Einsparungen im IT-Management werden durch Mehraufwände für Betreuung der zusätzlichen Anwendungen (die vorher überhaupt nicht existierten) mehr als ausgeglichen.
- Kompletter Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten: Durch die politischen Entwicklung der letzten Jahre, insbesondere im Verhältnis von Amerika zu Deutschland und Europa, kann man nicht mehr von einem vertrauenswürdigen und freundschaftlichen Miteinander ausgehen. Vielmehr ist zu befürchten, dass künftige amerikanische Administrationen ihre Möglichkeiten des Datenzugriffs auch für strategische und geschäftliche Interessen nutzen. Das sollten alle Unternehmen berücksichtigen, insbesondere aber jene, deren Geschäftsmodell auf geheimen Vorgehensweisen, Rezepten oder sonstigen Geschäftsgeheimnissen basiert.
Bitte selbst denken
Ich kann jedem IT-Verantwortlichen nur empfehlen, einen Hype als solchen zu erkennen und seine eigene Entscheidung unabhängig zu treffen. Nur weil eine Architektur als „Legacy“ abgewertet und von einzelnen Anbietern gezielt torpediert wird, ist das noch lange kein Grund, blind einem Trend zu folgen. Kurz gesagt:
- Es kann im Einzelfall valide Gründe geben, einen Teil des Geschäfts mit Unterstützung von Microsoft 365 abzuwickeln
- In den meisten Fällen – vor allem bei Berücksichtigung strategischer Interessen des Unternehmens – sollten sich die Entscheider das deutlich gründlicher überlegen als es bisher der Fall ist.
- Oft wird behauptet, ohne Microsoft 365 „ginge es nicht“. Diese Behauptung ist nicht haltbar, wie jene Unternehmen beweisen, die ihre IT-Entscheidungen strategisch treffen.