Viele Schäden durch Cyberangriffe lassen sich auf Schwächen im eigenen IT-Betrieb zurückführen. Die Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2026 zeigt, wo Unternehmen ansetzen können: bei der Angriffserkennung, der Systemkonfiguration und der Verwaltung von Zugriffsrechten.
„Blinde Flecken im eigenen System“: So beschreibt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst die häufigsten Faktoren, die dazu beitragen, dass Cyberangriffe Schäden verursachen. Die Ergebnisse zeigen, welche Faktoren nach Einschätzung der betroffenen Unternehmen besonders häufig zu Schäden beitragen. Sie verdeutlichen zugleich, wie wichtig es ist, verdächtige Aktivitäten rechtzeitig zu erkennen und die eigene IT sauber zu betreiben.
Für die Studie Wirtschaftsschutz 2026 hat Bitkom Research 1.003 Unternehmen in Deutschland befragt. Die Ergebnisse liefern konkrete Ansatzpunkte für Unternehmen, die ihre IT-Sicherheit überprüfen möchten.
Wenn ein Angriff unbemerkt bleibt
Wissen Sie sicher, ob Ihr Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten von Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen war? Diese Frage konnten längst nicht alle Unternehmen eindeutig beantworten.
67 Prozent der Befragten gaben an, tatsächlich betroffen gewesen zu sein. Weitere 29 Prozent vermuteten einen entsprechenden Vorfall, ohne ihn sicher feststellen zu können. Im Vorjahr hatten noch 87 Prozent eine Betroffenheit bestätigt und lediglich 10 Prozent vermutet.
Die Gesamtanteil der Unternehmen, die betroffen waren oder eine Betroffenheit vermuteten, blieb mit 96 Prozent nahezu unverändert hoch. Verändert hat sich vor allem die Gewissheit darüber, was tatsächlich passiert ist.
Das hat auch Folgen für die Einschätzung der wirtschaftlichen Schäden. Weil der Anteil lediglich vermuteter Vorfälle ungewöhnlich hoch ist, weist Bitkom die Schadenssumme 2026 erstmals als Korridor aus: mindestens 211 Milliarden Euro bis zu einer Obergrenze von 270,8 Milliarden Euro. Die Untergrenze beruht auf den sicher betroffenen Unternehmen. Für die Obergrenze bezieht Bitkom zusätzlich einen Teil der vermuteten Fälle ein.
Die Zahlen beziehen sich auf Diebstahl, Industriespionage und Sabotage insgesamt, nicht ausschließlich auf Cyberangriffe. Sie verdeutlichen dennoch eine zentrale Herausforderung: Ohne ausreichende Informationen lässt sich unter Umständen nicht einmal sicher feststellen, ob ein Vorfall stattgefunden hat.
Drei typische Fehler entscheiden mit darüber, ob ein Angriff Schaden anrichtet
58 Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden durch Cyberangriffe erlitten. Die Studie fragt deshalb auch danach, welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass ein Angriff erfolgreich war und Schäden verursachte.
Am häufigsten nennen die betroffenen Unternehmen drei Punkte:
- Unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen: 59 Prozent
- Fehlkonfigurationen von IT-Systemen: 57 Prozent
- Unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement: 55 Prozent
Es folgen technische Schwachstellen mit 50 Prozent sowie veraltete Hard- oder Software mit 43 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Angaben beruhen auf den Einschätzungen der betroffenen Unternehmen und beschreiben Faktoren, die zum Schaden beigetragen haben.
Die Ergebnisse zeigen, an welchen Stellen Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen hinterfragen sollten. Entscheidend ist, Angriffsflächen zu reduzieren, Zugriffe konsequent zu begrenzen und verdächtige Aktivitäten zuverlässig erkennen zu können. Dazu gehört auch, Software regelmäßig zu aktualisieren und insbesondere Sicherheitsupdates zeitnah einzuspielen. IT Works empfiehlt, Updates als festen Bestandteil des laufenden IT-Betriebs einzuplanen.
Werden verdächtige Aktivitäten rechtzeitig sichtbar?
Die Protokollierung von Ereignissen ist eine wichtige Grundlage, um Sicherheitsvorfälle zu untersuchen. Doch Logdateien allein verhindern keinen Schaden. Entscheidend ist, dass die relevanten Informationen ausgewertet und Auffälligkeiten rechtzeitig erkannt werden.
Unternehmen, die Erkenntnisse über Herkunft oder Täterkreis eines Angriffs gewinnen konnten, nannten die Analyse von Logdateien am häufigsten als technische Erkenntnisquelle (68 Prozent). Die Zahl beschreibt damit die Aufklärung von Vorfällen, nicht die allgemeine Zuverlässigkeit der Angriffserkennung.
Sind Systeme und Zugänge unnötig angreifbar?
Fehlkonfigurationen stehen mit 57 Prozent an zweiter Stelle der genannten Schadensfaktoren. Dazu können beispielsweise unnötig erreichbare Dienste, falsch gesetzte Berechtigungen oder nicht ausreichend abgesicherte Schnittstellen gehören.
Eine verlässliche Sicherheitsprüfung setzt voraus, dass Unternehmen ihre IT-Landschaft kennen und Änderungen nachvollziehen können. Nur so lässt sich beurteilen, welche Systeme exponiert sind und ob ihre Einstellungen den Sicherheitsanforderungen entsprechen.
Wer darf tatsächlich worauf zugreifen?
Ein unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement nennen 55 Prozent der betroffenen Unternehmen als Faktor für entstandene Schäden. Zu weitreichende Berechtigungen oder veraltete Benutzerkonten können Angreifern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, sobald sie Zugang zu einem Konto erlangen.
Hier geht es nicht allein um sichere Passwörter. Entscheidend ist auch, welche Rechte ein Konto besitzt, ob die Identität zuverlässig geprüft wird und ob Zugänge nach einem Rollenwechsel oder dem Ausscheiden von Beschäftigten angepasst beziehungsweise entfernt werden.
IT Works empfiehlt, mit vordefinierten Rollen- und Berechtigungsmodellen zu arbeiten. Dabei werden Zugriffsrechte anhand der jeweiligen Tätigkeit und Aufgabe vergeben. Das erleichtert eine einheitliche Rechtevergabe und hilft, unnötig weitreichende Berechtigungen zu vermeiden.
Sicherheit zeigt sich auch dann, wenn etwas schiefgeht
Angriffe lassen sich nicht in jedem Fall verhindern. Umso wichtiger ist es, ihre Auswirkungen zu begrenzen und den Betrieb nach einem Vorfall wiederherstellen zu können.
Dazu gehören Backups, die vom Unternehmensnetz getrennt aufbewahrt werden, sowie regelmäßige Tests, ob sich Daten und Systeme tatsächlich wiederherstellen lassen. Auch Notfallpläne sollten nicht nur existieren, sondern im Ernstfall verfügbar sein. Verantwortlichkeiten, Meldewege und die Kommunikation während eines Ausfalls müssen klar geregelt sein.
Ein zusätzlicher Prüfpunkt ist deshalb: Können Sie Ihre wichtigsten Systeme und Daten auch dann wiederherstellen, wenn die reguläre IT-Infrastruktur nicht mehr verfügbar ist?
Die Selbsteinschätzung der Unternehmen passt zu diesem Handlungsbedarf. Nur 43 Prozent halten sich 2026 für sehr gut auf Cyberangriffe vorbereitet. Im Vorjahr waren es noch 50 Prozent. Gleichzeitig erwarten 69 Prozent, dass die Zahl der Cyberangriffe auf ihr Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten steigen wird.
Die entscheidende Frage ist, ob Ihre Schutzmaßnahmen im Alltag funktionieren
Die Bitkom-Studie zeigt, welche Schwachstellen bei Unternehmen, die durch Cyberangriffe Schäden erlitten haben, besonders häufig eine Rolle spielen. Wo die eigene IT angreifbar ist, lässt sich allerdings nicht allein anhand solcher Statistiken beurteilen.
Ein Schwachstellenscan hilft dabei, bekannte Sicherheitslücken und potenzielle Risiken in der eigenen IT-Infrastruktur aufzudecken. Die Ergebnisse zeigen, wo Handlungsbedarf besteht und welche Schwachstellen zuerst behoben werden sollten. Ein Scan kann technische Schwachstellen und je nach Umfang bestimmte Fehlkonfigurationen aufdecken. Ob die Angriffserkennung funktioniert, Zugriffsrechte angemessen vergeben sind und sich wichtige Systeme im Notfall wiederherstellen lassen, sollten Unternehmen ergänzend prüfen.
Denn Sicherheitsmaßnahmen bieten erst dann einen verlässlichen Schutz, wenn Schwachstellen erkannt und die richtigen Konsequenzen daraus gezogen werden.
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